es ist schon erstaunlich wie die Dummheit unter meinen Mitmenschen grassiert. Mich erstaunt nicht nur das Ausmaß, sondern auch die Verbreitung eben jener.
Inzwischen dürfte es nahezu jedem vernunftbegabten Deutschen klar sein, dass das Kunstwort "Handy" irgendeinem deutschsprachigen Marketing Unternehmen entsprungen und nicht das englische Wort für mobiles Telefon ist.
Schlimm genug, dass dieses Wort seinen Weg in den deutschen Sprachgebrauch gefunden hat, doch damit scheint der absolut sinnfreie Gebrauch von Anglizismen noch kein Ende gefunden zu haben.
Nun hat mich der Horror (stimmt, das ist ein englisches Wort) bei einer meiner liebsten Freizeitbeschäftigungen erreicht: Dem Kaffeetrinken. Halt, das ist nur fast richtig. Ich meine natürlich "mobiles" Kaffeetrinken.
Es macht einfach Spass bei schönem Wetter einen Kaffe zum Mitnehmen, besser noch einen Latte macchiato, gemütlich am See zu trinken (in diesem Falle ist der Bodensee gemeint, es hat Vorteile da zu wohnen wo andere Urlaub machen). Doch: Oh, Schreck! Was zum Henker ist ein "Coffee to go ?"
Versteht mich nicht falsch, ich habe nichts gegen den Gebrauch von englischen Wörtern, auch nicht als sinnvolle Ergänzung der deutschen Sprache. Wenn auch der Einzug jener in den Sprachgebrauch manchmal etwas verwirrend ist (vgl..: "gedownloaded", "gechattet" oder "gemailt"). Wie wird in Englisch noch einmal das "past tense" gebildet? Richtig.
Was hat es nun aber mit diesem kryptischen "to go" auf sich, das machmal klein, manchmal groß geschrieben wird? Versuchen wir der Sache einmal auf den Grund zu gehen.
Die Bedeutung von "to", sprich "zu" im Deutschen ist offensichtlich und es liegt hierbei auf der Hand, dass hiermit wohl auf eine möglich Handlung in Bezug auf Kaffee hingewiesen werden soll. Ein "Kaffee zu/zum …". Soweit klar.
Das Wort "go" steht in der englischen Sprache üblicher Weise für das Verb "gehen", wie Verben in Englisch gebildet werden wissen wir noch aus der Schule. Ergo: "gehen" = "to go". Ein Kaffee zum gehen? Was wenn ich mit dem Auto unterwegs bin? Moment, "Go!" kann aber auch in der Befehlsform für "Geh weg!" benutzt werden, was in "Coffee to Go" etwas verwirrend ist, oder täusche ich mich da? Möchte uns der Verkäufer mitteilen, dass wir mit dem Kaffee weggehen (abhauen) sollen?
Togo ist selbstredend ein Staat in Afrika. Ist damit gemeint, dass der Kaffee von dort kommt? Jedenfalls klingt das so, wenn ich "Coffee togo" bei der Bestellung sage. Über die phonetische Bedeutung hat sich da scheinbar keiner Gedanken gemacht, schließlich kann man ja von einem ganz normalen Durchschnittsbürger keine korrekte Aussprache der englischen Sprache erwarten.
Richtig schlimm wird es wenn im Aushang der Backerei, des Geschäfts oder der Kaffeebar oder gar auf der Getränkekarte "Latte to go" steht. Bekomme ich dann noch Kaffee in meiner heißen (vielleicht sogar kalten) Milch? Oder wird hiermit darauf hingewiesen, dass die Milch von freilaufenden Milchkühen stammt? So langsam wird es wirklich kompliziert. Ich wollte doch nur einen "Latte macchiato" zum Mitnehmen. "Einen", der ist in der italienischen Sprache männlich. Laut Duden darf ich "der Latte macchiato" als auch "die Latte macchiato" sagen.
Alles wäre doch so einfach wenn die Leute in der Gastronomie, oder dem Marketing, bei der Sprache bleiben würden, welche sie auch beherrschen, allerdings schleicht sich bei mir langsam der Verdacht ein dass es schon an der Beherrschung der Muttersprache zu scheitern droht.
Ich bin ja wahrlich kein Sprachgenie, Fehler schleichen sich bei mir trotz Rechtschreibkorrektur laufend ein, aber hier noch einmal zur Erklärung für Dummies:
"Latte" ist italienisch und bedeutet "MIlch". Wer also "eine Latte" bestellt, sollte eben jene welche vor den Kopf geschlagen bekommen. Das erhöht das Denkvermögen sagt man.
Ansonsten ist es im englischsprachigen Raum ratsam sich das Wort "takeaway" zu merken, sehr praktisch wenn man den "drive through" eines Restaurants aufsucht – und bitte kein "drive in". Ausser Sie sind gut versichert.
LG
MJ

Mai 31, 2009 um 5:35 pm
Du schreibst wunderbar, inspirierend, motivierend. Du befasst dich mit Sachen, ueber die andere nichtmal Nachdenken, finde ich sehr gut. Lg, Jenny. xx
Juni 15, 2009 um 8:52 am
Echt genialer Text. Da musste ich doch mal ein bisschen lachen über “our Denglish”
xD
Juni 15, 2009 um 9:58 am
Danke
Freut mich dass der Text gefällt.
Leider ist das Blog hier geschlossen und umgezogen: http://lifenoir.misterjupiter.de
März 20, 2010 um 12:02 pm
Nun habe ich die Herangehensweise zwar nicht so ganz kapiert, kann ja aber noch werden
. Ich wünsche noch eine beschauliche Zeit bis Ostern (wenn überhaupt
und schönen Gruß, Cai Engelmann